Die Digitalisierungsoffensive

BiPRO-Normen in IWM FinanzOffice

Was ist BiPRO?

Der BiPRO e.V. (Brancheninitiative Prozessoptimierung) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Düsseldorf,
der aus der 2006 gegründeten Brancheninitiative Prozessoptimierung hervorgegangen ist. Mitglieder sind

  • Versicherungen
  • Maklerpools und Vertriebsorganisationen
  • Makler
  • Maklerverbände
  • Hersteller von Maklerverwaltungsprogrammen
    Die IWM Software AG ist Mitglied seit 2008. Vertreten sind wir sowohl im technischen Ausschuss,
    in der Digitalisierungsoffensive als auch im Projekt Industrie und Gewerbe.
  • Hersteller von Vergleichssoftware
  • Sonstige (technische) Dienstleister

 

Ziel des BiPRO e.V. ist die Erarbeitung und Verbreitung von Normen fachlicher und technischer Art zur Optimierung von unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen. Technisch gesehen beschreiben diese Normen Webservices. Ein Webservice ist eine fest definierte Schnittstelle ohne eigene Oberfläche, um Daten zwischen verschiedenen Plattformen technisch standardisiert über das Internet auszutauschen.

Aus Sicht der IWM Software AG ist das Brancheninstitut BiPRO e.V. die vielversprechendste Institution, um mit ihren Implementierungsprojekten langfristig die Kommunikation zwischen Finanzdienstleister und Versicherer deutlich zu verbessern.

Wie funktioniert das?

Die BiPRO Norm zur Navigation in die Extranet-Portale der Versicherer (Norm 440) ermöglicht Ihnen, ohne Medienbruch, direkt aus IWM FinanzOffice einen bestimmten Kunden oder Vertrag direkt im Extranet des betreffenden Versicherers aufzurufen – ohne erneute Anmeldung oder erneute Suche.
Mit der BiPRO Norm zum elektronischen Dokumentenabruf (Norm 430) werden bestimmte Geschäftsvorfälle, die es bei Versicherern übergreifend gibt, einer bestimmten Kategorie, einer sogenannten Geschäftsvorfall-ID zugeordnet. Hierzu gehören beispielsweise Policen, Anträge, Nachträge, Beitragsrechnungen etc.
Alle beim Versicherer bearbeiteten Dokumente werden dort zur Abholung bereitgestellt.

Diese Dokumente können über IWM FinanzOffice von den Servern der Versicherer geladen und zugeordnet werden. Hierbei wird jedem Schriftstück die erwähnte Geschäftsvorfall-ID mitgegeben, anhand derer es korrekt benannt werden kann, wie zum Beispiel Police. Neben dem Geschäftsvorfall enthält das Dokument auch die Kundendaten sowie die Vertragsnummer. Dies macht eine eindeutige Zuordnung möglich.

Ein Einscannen der auf postalischem Wege erhaltenen Schriftstücke ist damit hinfällig, was im täglichen Geschäft viel Arbeitszeit einspart.

Durch die hinzugekommene Verzahnung mit der kostenpflichtigen Prozesssteuerung für IWM FinanzOffice wird es möglich, pro Gesellschaft und Geschäftsprozess vorab zu entscheiden, ob ein Dokument direkt bei einem Vertrag oder Kunden abgelegt wird und zusätzlich über einen definierbaren Prozess beispielsweise eine Nachbearbeitung angelegt wird.

Ebenso ist eine Dokumentenverarbeitung über IWM CleverMove möglich. Diese Option ermöglicht es, dass Inhalte aus den Dokumenten extrahiert und weiterverarbeitet werden können, da zurzeit über die BiPRO Norm lediglich die Informationen wie Kunde, Vertragsnummer und Geschäftsvorfall mitgeliefert werden.

Was müssen Sie tun, um diese Services nutzen zu können?

Diese Funktionen stehen Ihnen kostenfrei in IWM FinanzOffice zur Verfügung und werden sukzessive weiter ausgebaut. Aktuell werden pro Monat zwei bis drei weitere Gesellschaften angebunden.

Sehen Sie, wie Sie die Zugangsdaten hinterlegen und diese Dienste nutzen können

BiPRO

Ihre Vorteile:

  • einfacher, schneller Transfer von Daten
  • Standardisierung
  • leichte Bedienung
  • automatisierte Abwicklung
  • weniger Bearbeitungsfehler
  • Qualitätssicherung
  • Prozessoptimierung

Unsere Partner

Hier finden Sie eine aktuelle Übersicht der umgesetzten BiPRO Anbindungen:
 
BiPRO Anbindungen

Häufige Fragen

Ab welchem Zeitpunkt kann ich die BiPRO-Webservices nutzen?
Zur Nutzung der BiPRO-Webservices benötigen Sie eine entsprechende Berechtigung (Authorisierung) von Ihrem Versicherer. Sobald diese Authentifizierungsdaten im Maklerverwaltungspogramm hinterlegt sind, können Sie die unterstützten Services aus Ihrem Verwaltungssystem nutzen.

Warum ein digitales Projekt für Makler und Versicherungen?
Durch eine standardisierte, elektronische Kommunikation zwischen Makler und Versicherer wird der Datentransfer deutlich einfacher und sicherer.

Was bedeutet „BiPRO-fähiges Maklerverwaltungsprogramm“?
„BiPRO-fähig“ bedeutet, dass das Maklerverwaltungsprogramm bereits in der Lage ist, BiPRO Normen zu verarbeiten.

Ist die BiPRO Norm eine Vorschrift?
Die BiPRO Norm ist lediglich eine Richtlinie, der sich die Versicherer und die Maklerverwaltungsprogrammhersteller bedienen, damit solche Web-Services genutzt werden können. Die Normen definieren Branchenstandards für den Datenaustausch zwischen den Markteilnehmern.

Was ist eigentlich eine Norm?
Fast jeder hat schon einmal von Normen und den zugehörigen Begriffen Standards, Stand von Wissenschaft und Technik, DIN oder DIN EN ISO gehört. Doch was verbirgt sich eigentlich genau dahinter? Wie schon fast zu erwarten, so ist auch in einer Norm festgelegt, was man unter einer Norm versteht. Die Europäische Norm (EN) 45020 definiert den Begriff so:
„Eine Norm ist ein Dokument, das mit Konsens erstellt und von einer anerkannten Institution angenommen wurde und das für die allgemeine und wiederkehrende Anwendung Regeln, Leitlinien oder Merkmale für die Tätigkeiten oder deren Ergebnisse festlegt, wobei ein optimaler Ordnungsgrad in einem gegebenen Zusammenhang angestrebt wird.“

Was normieren BiPRO-Webservices?
Die Ergebnisse der Standardisierung des BiPRO e.V. werden in den Normen der BiPRO dokumentiert. Eine Vielzahl von Prozessen ist bereits durch BiPRO und die Mitglieder normiert worden – von der Authentifizierung über Neugeschäftsprozesse, wie Tarifierung, Angebot, Antrag oder den generellen Transfer von Daten, Dateien und Dokumenten bis hin zur Bestandsauskunft und -pflege.

Welche BiPRO-Services sind bereits heute bei den Versicherungen abrufbar und was lässt sich damit im Maklerunternehmen digitalisieren?
Authentifizierung und Sicherheit
Sicherheit von Services Basis-Norm 260.0
Die meisten Webservices benötigen vor der Nutzung eine Authentifizierung. Die BiPRO-Normen basieren auf den Standards von OASIS und des W3C. Zusammen mit der Norm 260.1 ersetzt diese Norm die bisherige Norm 260. Sie erlaubt nun, dass verschiedene Authentifizierungsarten für einen Service in Frage kommen und dass diese über verschiedene Security Token Services (STS) abgebildet werden. 

Authentifizierung mit Security Token Service Norm 260.1 und Norm 410
Mechanismen zur einfachen Authentifizierung
Die Norm 260.1 definiert die technischen Sicherheitsmechanismen, die im Kontext BiPRO-konformer Schnittstellen für die einfache Authentifizierung zu verwenden sind. Authentifizierung ist möglich über Benutzername/Passwort ohne bzw. mit OTP (One Time Password), VDG-Ticket und Zertifikat.

Security Token Service (STS) für die einfache Authentifizierung
Die Norm 410 beschreibt die detaillierte technische Spezifikation der Service-Schnittstelle eines Security-Token-Services (STS) auf der Grundlage von OASIS/W3C-Spezifikationen.

Authentifizierung mit SAML-Token Norm 260.2 und Norm 411
Mechanismen zur Authentifizierung mit SAML
Die Norm 260.2 betrachtet die Abläufe der Authentifizierung mit SAML-Token (Security Assertions Markup Language) bis zum Aufruf der Business Services. Im Token sind Informationen zum Benutzer und zur Authentifizierung (z.B. Art und Zeitpunkt) und ggf. weitere Attribute enthalten.

Security Token Service für die Authentifizierung mit SAML
Die Norm 411 definiert die Service-Schnittstelle zur Implementierung eines Security Token Services (STS) mit SAML.

Tarifierung Angebot Antrag Service (TAA), BiPRO-Norm 420
Diese BiPRO-Norm definiert die spartenübergreifenden Grundlagen für die Prozesse Tarifierung, Angebot und Antrag (TAA). Sie schafft die Voraussetzung für die spartenspezifischen Services, beschrieben in den Normen 421 ff.

Spartenspezifische Services TAA
Basierend auf der Norm 420 wird die Anwendung des Datenmodells in den Geschäftsprozessen Tarifierung, Angebot und Antrag (TAA) in der Norm 421 für die private Sach-, Haftpflicht- und Unfallversicherung, in der Norm 422 für den Bereich Lebensversicherung, in der Norm 423 für die Kraftfahrtsparte, in der Norm 424 für die private Krankenversicherung, in der Norm 425 für die private sowie gewerbliche Rechtsschutzversicherung und in der Norm 426 für gewerbliche Versicherungen definiert.

Übermittlung von Daten und Dokumenten, BiPRO-Norm 430.x
Basis-Norm Übermittlungs-Service Norm 430.0. Die Norm 430.0 definiert die technischen und fachlichen Prozesse für die automatische Übermittlung von Dateien zwischen den Systemen der Provider und Consumer. Sie bildet die abstrakte Basis und wird durch die Normen 430.ff. konkretisiert. Die Norm 430.0 ist Voraussetzung für alle Normen 430 ff. Diese BiPRO-Normen ermöglichen eine automatisierte Übernahme der Informationen in die Consumer-Systeme.

BiPRO Norm Funktion
430.1 Definiert die Übermittlung von allgemeinen Geschäftsvorfällen (z. B. die Übertragung von Versicherungsscheinen als PDF)
430.2 Definiert die Übermittlung von Inkassostörfällen (z.B. die Übertragung von Informationen über Beitragsrückstände von Versicherungsnehmern)
430.4 Definiert die Übermittlung von vertragsbezogenen Geschäftsvorfällen
430.5 Definiert die Übermittlung von schaden- und leistungsbezogenen Geschäftsvorfällen
430.6 Spezifiziert die Übermittlung von SEPA-Notifikationen zwischen Provider und Consumer
430.7 Beschreibt die Anforderung, Übermittlung und Klärung von Vermittlerabrechnungen
430.8 Beschreibt die Übermittlung von Rückfragen zu Schadenmeldungen mit Daten und Dokumenten von einem Provider zu einem Consumer
430.9 Beschreibt die Übermittlung von Aufforderungen zur Meldung von Informationen (Meldungen) und Dokumenten (Prüfberichte) insbesondere in der Gewerbe- und Industrieversicherung

Externe Navigation in Versicherung-Portale, BiPRO-Norm 440
Diese Norm sorgt für die beschriebene Funktion der automatischen Navigation im Extranet und dürfte eine der am weitesten verbreiteten Normen sein.

Welche Daten erhalte ich via BiPRO?
Der Schriftwechsel des Versicherers, der zu 90% dem Makler in Kopie ebenfalls zugesandt wird, kann elektronisch abgeholt und automatisch in der Software des Maklers abgelegt werden. Das Scannen von Versicherungsscheinen und Nachträgen wird überflüssig, der gesamte weitere Schriftwechsel des Versicherers wird direkt dem Kunden und Vertrag zugeordnet. Die Arbeit erfolgt somit medienbruchfrei in der gewohnten Arbeitsoberfläche, die Zuordnung zum jeweiligen Kunden bzw. Versicherungsvertrag erfolgt automatisch und die Papierdokumente können beim Versicherer abbestellt werden – was einige Versicherer heute schon von sich aus machen, denn sie wollen durch den elektronischen Prozess ihren Aufwand ja auch reduzieren.

Welche BiPRO-Services sind in IWM FinanzOffice umgesetzt?
In IWM FinanzOffice sind aktuell folgende Normen umgesetzt:

BiPRO Norm Funktion
Basis-Norm 260.0 Sicherheit von Services
Norm 260.1 & Norm 410 Authentifizierung mit Security Token Service
BiPRO-Norm 420 Tarifierung Angebot Antrag Service (TAA)
430.1 Definiert die Übermittlung von allgemeinen Geschäftsvorfällen (z. B. die Übertragung von Versicherungsscheinen als PDF)
430.2 Definiert die Übermittlung von Inkassostörfällen (z. B. die Übertragung von Informationen über Beitragsrückstände von Versicherungsnehmern)

Warum BiPRO und nicht andere Digitalisierungsoffensiven?
Die Brancheninitiative Prozessoptimierung (BiPRO e.V.) ist längst nicht mehr nur ein kleiner Kreis von Markteilnehmern, welche die Zusammenarbeit untereinander im Bereich Digitalisierung und Optimierung von Prozessen verbessern will, sondern ist zu einer echten Marke geworden.

Diese Marke bedeutet, dass die Mitgliedsunternehmen sich quasi dazu verpflichten, unter Einhaltung etablierter Normen, Kommunikation und Prozesse im Markt so zu vereinheitlichen, dass ein gemeinsamer Nutzen für alle Marktteilnehmer entsteht – im Übrigen nicht nur für Mitglieder, sondern unternehmensübergreifend für den gesamten Markt.

Seit wann engagiert sich die IWM Software AG bei BiPRO?
Seit Januar 2008 gehört auch die IWM Software AG als Dienstleister zum aktiven Teil dieser Initiative. An vorderster Stelle steht hier auch die aktive Mitarbeit in Gremien, Projekten und Arbeitsgruppen.

Welche Themen bearbeitet BiPRO?
Derzeit wichtige Themen sind vor allem die Digitalisierungsoffensiven in den Bereichen Schaden, Bestandsprozesse sowie Maklerpost. Daneben gibt es viele weitere Projekte, die sich auch mit Randthemen wie der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) beschäftigen.

Nie gab es mehr derart umfangreiche und getriebene Projekte bei der Brancheninitiative wie zum jetzigen Zeitpunkt. Immer mehr Normen und deren praktische Umsetzung durchdringen den Markt. Viele Makler fragen sich nach dem praktischen Nutzen. BiPRO ist viel mehr als eine „Schnittstelle“, sie ist das klare Bekenntnis zum engen Zusammenrücken unternehmensübergreifend untereinander.
Sie als Dienstleister tragen den größten Nutzen dadurch, dass Sie die Vorteile der Umsetzungen erkennen und auch nutzen.